Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn ich mir in diesen Tagen die „große Politik” anschaue, bleibt mir manchmal die Zuversicht buchstäblich im Hals stecken. Die tödlichen Spiele eines Donald Trump, die rückwärtsgewandte Klimapolitik unserer Bundesregierung, die Diskussionen um Einsparungen in unserem Sozialsystem, die nur noch mehr Unruhe in die Gesellschaft bringen …

Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf diese Nachrichten richte, fühle ich mich zwar bestens informiert, aber innerlich umso hilfloser.

 

Wie schaffst du es, dir deine Zuversicht zu erhalten?

Ich unterscheide inzwischen radikal zwischen dem, worauf ich Einfluss habe, und dem, was ich nicht ändern kann. Ich informiere mich, ja, ich schaue hin, aber ich pfeife mich zurück, wenn der Blick auf die große Politik mich fertigmacht.

Dann suche ich mir Themen, Nachrichten, Ereignisse und Entwicklungen, die mir Zuversicht schenken. Oder ich beschäftige mich mit Menschen, die dort aktiv sind, wo ich gerade nicht sein kann. Ich nenne sie meine Stellvertreter.

Ein Beispiel ist Andreas, der für „Ärzte ohne Grenzen” als Krankenpfleger in einem großen Flüchtlingslager arbeitet. Er behandelt nicht nur die Menschen, die teilweise schon seit vielen Jahren dort leben, sondern bildet auch lokales Personal aus. Durch seine Schulungen stellt er sicher, dass die medizinische Versorgung auch dann gewährleistet ist, wenn das Team von „Ärzte ohne Grenzen” eines Tages weiterzieht.

Eine Nachricht über den WWF in Mexiko hat mich auf den Monarchfalter aufmerksam gemacht. Ganz schön wählerisch, der Gute: Er fliegt jedes Jahr Tausende Meilen aus den USA und Kanada nach Zentralmexiko, um seine Eier ausschließlich auf der Seidenpflanze abzulegen. Um diese Lebensräume zu erhalten, forstet der WWF gemeinsam mit lokalen und indigenen Gemeinden Wälder auf und richtet Schutzgebiete ein.

 

Meine Stellvertreter

Ich finde Informationen über Initiativen, die das demokratische Verständnis von Jugendlichen stärken wollen. Zum Beispiel die Peercoaches: Der Verein „Gegen Vergessen. Für Demokratie“ bildet junge Leute zu „Demokratietrainern“ aus. Sie führen dann Workshops zu Mitbestimmung, Rassismus und Zivilcourage mit ihren Mitschüler:innen durch.

Wenn ich diese Geschichten nebeneinanderlege, entsteht für mich ein Bild: Andreas steht stellvertretend für mich in einem Flüchtlingslager. Die Menschen beim WWF pflanzen stellvertretend für mich Bäume. Die Peercoaches bringen meine Werte in die Klassenzimmer.

Du kannst nicht überall sein, aber du kannst deine Stellvertreter:innen wählen. Wer kümmert sich um die Themen, die dich nicht loslassen? Du kannst sie finanziell unterstützen, ihre Geschichten in deinen Social Media Kanälen teilen oder sie deinen Freund:innen, Kindern und Kolleg:innen erzählen. Vielleicht gibt es auch ein Projekt, dem du etwas von deiner Zeit schenken kannst.

Wie wäre es mit der Demo für Erneuerbare Energien am kommenden Samstag? Mehrere Umweltverbände organisieren Demos in München, Köln, Hamburg und Berlin. Hieraus könnte eine echte Bewegung entstehen, denn diesmal gehen nicht nur ein paar Klimaschützer:innen auf die Straße, sondern die Organisator:innen bekommen Zuspruch von Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft. Falls du nicht hingehen kannst, teile die Einladung.